Kurzsichtigkeit ist eine der unerkannten bzw. stark unterschätzten Veränderungen des Auges. Kurzsichtigkeit wird in der modernen postindustriellen Gesellschaft immer häufiger. Das trifft auch immer mehr auf unsere Kinder zu. Eine der Hauptursachen ist der Lebensstil. In zahlreichen Studien wurde herausgefunden, dass es nicht so sehr die Naharbeit (zu nahes Lesen und Schreiben), sondern die Zeit, die wir in geschlossenen Räumen verbringen ist, die zu dieser zunehmenden Fehlsichtigkeit führt. In manchen asiatischen Ländern sind bereits 80% der Schulkinder betroffen, aber auch in Europa und Österreich sind die Zahlen hoch.

Der Mechanismus hinter der Kurzsichtigkeit ist zumeist ein zunehmendes Längenwachstum der Augen, bedingt durch den oben erwähnten Lebensstil.

normales Auge
normales Auge

kurzsichtiges, zu langes Auge
kurzsichtiges langes Auge

Die nachteiligen Folgen

Dabei ist das geringere Übel, dass unsere Kinder häufig neue Brillen oder Kontaktlinsen brauchen. Oft verlieren die Kinder eine bis ein-ein halb Dioptrien pro Jahr. Bedeutender ist, dass das Wachstum der Augen führt zu Spannungen und Dehnungen in der Netzhaut führen kann Die Netzhaut ist die lichtempfindliche innere Schicht des Auges.

kurzsichtiges Auge mit Riss in der Netzhaut
kurzsichtiges Auge mit Riss in der Netzhaut

kurzsichtiges Auge mit Dehnungsherden
kurzsichtiges Auge mit Dehnungsherden

Die zunehmende Kurzsichtigkeit, das heißt die Dehnung der inneren Schichten des Auges erhöht die Gefahr von Dehnungsrissen und Netzhautablösungen sowie Erkrankungen der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens.

Diese Gefahren mögen nicht augenscheinlich sein, sie nehmen jedoch mit zunehmenden Alter und mit Zunahme der Kurzsichtigkeit zu. In sehr ausgeprägten Fällen kann es schon durch den starken optischen Fehler zu einer deutlichen Funktionseinschränkung der Augen kommen. Leider ist auch das Risiko einer Erblindung durch Netzhautablösungen und Makulaerkrankungen gegeben.

Was kann man tun bei Kurzsichtigkeit bei Kindern?

Es ist zwar nicht immer möglich den unseren Lebensstil so zu verändern, dass die Entwicklung bzw. das Fortschreiten einer Kurzsichtigkeit verhindert werden kann. Studien konnten zeigen, dass niedrig dosierte Atropin Augentropfen das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bis zu 80% reduzieren können. Ebenso wirksam sind spezielle Kontaktlinsen. Beides benötigt die sorgfältige Diagnosestellung und Kontrolle durch Ihren behandelnden Augenarzt. Keinen Nachweis der Wirksamkeit hat derzeit die Korrektur der Kurzsichtigkeit mit einfachen harten Kontaktlinsen oder die Unterkorrektur der Kurzsichtigkeit.

Einen positiven Einfluss scheint die Zeit zu zu haben, die Kinder außerhalb geschlossener Räume verbringen. Manche Autoren empfehlen 11 Stunden und mehr pro Woche. Hierfür sollten Eltern so viel wie möglich Sorge tragen.

Zusammenfassung

Kurzsichtigkeit bei Kindern ist ein ernst zu nehmender Zustand. Das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit sollte nicht einfach akzeptiert werden. Spätschäden wie Netzhautablösung oder Makulaerkrankungen können die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit kann verhindert bzw. verlangsamt werden. Ihr Augenarzt berät Sie welche Therapien hierfür in Frage kommen. Die Zeit, die Kinder im Freien verbringen dürfte nach jetzigem Kenntnisstand dazu beitragen, das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit zu vermindern. Also: regelmäßig vom Schreibtisch aufstehen und „raus“ aus dem Haus.

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